Was ist Swiss-Quality beim Kaffee?

Samstag 4. September 2010 | Tag des Kaffees | Kaffee Wissen

von Manuel Fischer und Guido Böhler

Was ist Swiss-Quality beim Kaffee?

Die Erfolge der  Kaffeevollautomaten-Hersteller stehen exemplarisch für internationale Wettbewerbsfähigkeit dank Schweizer Werten und Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, kundennaher Service und edles Design. Auch die Schweizer Kaffeeröstereien setzen auf Topqualität.

Präzisionstechnik, Zuverlässigkeit und guter Service – wo sind diese Eigenschaften besser vereint als in einem hochmodernen Kaffeevollautomaten «made in Switzerland»? In den 1990er-Jahren ist in der Schweiz ein neuer boomender Industriezweig entstanden. Mit Kaffeevollautomaten allein für die Gastronomie generiert die Branche heute 500 Mio. Franken Umsatz im Jahr. Schweizer Hersteller wie Thermoplan, Schaerer, Franke, Cafina, HGZ und Egro sind sehr wettbewerbsfähig: Gut 80 Prozent der Geräte werden exportiert. Thermoplan in Weggis exportiert sogar 98% und ist Hoflieferant von Starbucks. Bei den Gerätefunktionen wird die Kundschaft immer anspruchsvoller und ebenfalls beim Design: Man kann verschiedene Farbvarianten von Verschalungen auswählen oder beim Bedienpanel Wünsche anbringen. Einige Anbieter wie Jura haben sich auf Kleinmodelle spezialisiert, die immer öfter in Coiffeursalons, Tankstellen, Büros und sogar in Wohnzimmern zu sehen sind.

Alle Bemühungen der Hersteller drehen sich um das Eine: auf Knopfdruck ein perfektes Getränk zu liefern – auch Cappucino und Latte Macchiato. Die Vollautomaten wurden auch zu «Milchmaschinen». Dies war eine Herausforderung an die hygienische Konstruktion, die aber «mit den integrierten vollautomatischen Reinigungssystemen gewährleistet ist», sagt René Lottenbach, Marketingchef bei Cafina. Einige Kaffeemaschinen-Hersteller sind zwar nicht mehr in Schweizer Besitz, aber in andere Länder abzuwandern ist kein Thema. «Swiss Quality ist in allen Exportländern ein sehr wichtiges Verkaufsargument», betont Marga Gyger, CEO der Sparte Coffee Systems bei Franke.

Top-Qualität auch bei den Röstungen

Auch bei den Kaffeebohnen gibt es «Swiss Quality», obwohl Kaffee nicht in der Schweiz produziert wird. Aber er wird hierzulande von 65 Röstereien am richtigen Ort in der richtigen Qualität eingekauft, schonend geröstet und gemahlen. Die Schweiz steht bei der Kaffeequalität weltweit an der Spitze. Die grössten Schweizer Kaffeeröstereien sind Nespresso, Migros und die «Drie Mollen»-Gruppe (Rosca, Giger, Merkur, Coop) mit je rund einem Viertel des Rohkaffeeverbrauchs. Rund zwölf KMU kaufen ein weiteres Viertel ein. Sowohl bei den mittleren wie auch bei den zahlreichen kleineren gibt es Premium- und sogar Luxuskaffeeröster. Die meisten beliefern fast ausschliesslich die Gastronomie.

Der grösste Teil des Kaffees wird als Rohkaffee importiert aber acht Prozent als Röstkaffee (zum Bsp von Starbucks). Beim Rösterverband schätzt man den Importanteil an der eleganteren Kaffeeart Arabica auf 85 Prozent, und der Rest entfällt auf die rustikalere Robusta-Art. Dieser hohe Arabica-Anteil ist ein Indiz für hochstehende Kaffeemischungen in der Schweiz. Der Anteil von coffeinfreiem Kaffee liegt bei rund einem Prozent. Nur Haco in Gümligen entcoffeiniert heute in der Schweiz Rohkaffee.

Um die Schweizer Kaffeequalität kümmern sich gleich mehrere Branchenverbände: Auf der Stufe Gastronomie bestehen der Schweizerische Cafetierverband und seit wenigen Jahren das Swiss Chapter der Speciality Coffee Association of Europe (SCAE). Dieses fördert die Kaffeequalität und –kultur in der Gastronomie unter anderem durch Aufwertung der Baristakunst. Auf der Stufe Verarbeitung gibt es zudem einen Rösterverband, wo kleine und mittlere Röstereien organisiert sind.